Projekt „Migrationsvielfalt mitten unter uns“

Der „Bunter Tisch Gartenstadt und Siedlungen Süd“ (BTG) tritt „für ein friedliches Miteinander, kulturelle Vielfalt, gute nachbarschaftliche Beziehungen, Offenheit und Toleranz ein“ und fördert „alle Zwecke, die der Völkerverständigung, der Bildung und Erziehung und der Förderung eines demokratischen Staatswesens dienen“ (Satzung). Deshalb will der BTG gegen die aktuellen fremdenfeindlichen und nationalistischen Strömungen in Deutschland Information und Aufklärung setzen. Sowohl Kriegsflüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg, als auch „Gastarbeiter“-Familien sowie Flüchtlingsfamilien, die in jüngster Vergangenheit zugezogen sind, leben in den Siedlungsgebieten friedlich nebeneinander. Trotzdem gibt es latent und offen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in den Siedlungen, was sich in Wahlergebnissen, nationalistischen Aktivitäten und offenen Anfeindungen von Fremden zeigt.

Der „Bunte Tisch Gartenstadt und Siedlungen Süd“ (BTG) hat sich zum Ziel gesetzt, Vorbehalte gegen Zuwanderinnen und Zuwanderer zu abzubauen, um Ausländerfeindlichkeit vorzubeugen und ein besseres Verständnis unter den verschiedenen Bevölkerungsgruppen herzustellen. Deshalb hat der BTG ein Projekt initiiert, das Migrationsgeschichten aus den Stadtteilen Gartenstadt und Siedlungen Süd sammelt, aufbereitet und der Öffentlichkeit präsentiert. Das Projekt „Migrationsvielfalt mitten unter uns“ erhält Mittel aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“, das vom Bundesfamilienministerium gefördert wird. Eine zusätzliche Unterstützung erfährt das Projekt durch den „Verein zur Förderung innovativer Kulturarbeit e.V.“. Die Restfinanzierung erfolgt durch den Bunten Tisch (Spenden und Eigenmittel).

Das Projekt richtet sich zunächst an die Bevölkerung in den Siedlungsgebieten „Gartenstadt“ und „Siedlungen Süd“.
Es werden Familien gesucht, die sich in diesem Zusammenhang öffentlich sichtbar machen möchten. Gezielt werden Familie gesucht, die in unsere Stadtteile gekommen sind: beispielsweise Flüchtlinge nach dem 2. Weltkrieg, sogenannte Gastarbeiter, Spätaussiedler und derzeit Geflüchtete.
Nachbarn und Siedlungsbewohner sollen einen Einblick in bisher unbekannte Familiengeschichten durch Informationsveranstaltungen, Ausstellungen und medialen Präsentationen erhalten.
In der Folgen sollten junge Menschen in Bildungseinrichtungen das Material als Impuls, sich in der eigenen Familie mit dem Thema Migration zu beschäftigen, verwenden.
Ferner soll durch eine Präsentation im Internet eine große Öffentlichkeit erreicht werden.

 

Projektdurchführung
Das Projekt wird unter der Federführung von Vertretern des Vorstandes Bunter Tisch Gartenstadt und Siedlungen Süd gemeinsam mit einer Studierenden der TH Nürnberg durchgeführt.
Für die Realisierung dieses Projektes wird ein Zeitraum von ca. 9 Monaten benötigt. Zunächst gilt es, bestehende statistische Daten zu analysieren (Veränderung der Zusammensetzung der Bevölkerung), weiterhin die Fragestellung zur Datenerhebung zu konkretisieren, dann die Interviews und Materialsichtung durchzuführen. Die gesammelten Materialien werden ausgewertet, für eine oder mehrere Veranstaltungen im Stadtteil genutzt und somit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ferner sollen Stellwände für eine veranstaltungsbegleitende Ausstellung angefertigt werden, die dann auch bei Stadtteil- und Straßenfesten zum Einsatz kommen sollen.
Eine weitere mediale Nutzung (z. B. Multimedia-Show für die Bildungsarbeit) und Aufbereitung für das Internet soll in einer zweiten Phase erfolgen. Aus den oben beschriebenen Migrationsgruppen sollen jeweils 1 – 2 Personen bzw. Familien interviewt werden. Diese Interviews werden in Ton angefertigt, Bild- oder Textmaterial aus dem Familienfundus kann mit einbezogen werden.

 

Nach vielfältigen Vorbereitungen fand am 27. Juli 2017 die Auftaktveranstaltung zu dem Projekt statt.
Das Projekt will mit der Sicht auf eigene Familiengeschichten den Blick dafür öffnen, dass Zuwanderung ein ständiger Prozess ist, und mal stärker, mal schwächer auch im eigenen familiären oder nachbarschaftlichen Umfeld auftritt. Mit der Veröffentlichung von individuellen Zuwanderungsgeschichten der eigenen Wohnumgebung wird das Thema in die eigene Nähe geholt und somit besser sichtbar und nachvollziehbar. Mit öffentlichen Veranstaltungen, Ausstellungen und medialen Veröffentlichungen wird das Thema Migration nicht als „Überflutung“ mit Fremden dargestellt, sondern als ein selbstverständlicher Prozess, der friedlich von statten gehen kann. Das erarbeitete Material soll im Stadtteil verfügbar gemacht werden und auch für die Bildungsarbeit verwendbar sein.
Dadurch wird das Thema Migration plastischer, das Verständnis für Migranten und ihre Situation wächst und kann Vorurteile abbauen und gegen rassistische Tendenzen wirken.

 

Am 23. November 2017 wurden die Ergebnisse der Interview aus diesem Projekts präsentiert.

Nach der Begrüßung und einigen grundsätzlichen Informationen konnten die Anwesenden die Ergebnisse anhand von 10 Thementafeln ansehen und Auszüge aus den Interviews lesen. Im Anschluss gab es im Rahmen eines Gesprächs zwischen Norbert Schneider (Vostandsmitglied vom Bunten Tisch) und Christine Boeck (Studierende Soziale Arbeit) Informationen zu den Interviews im Allgemeinen, zur Methodik und zu den Ergebnissen, sprich zu den einzelnen Thementafeln.

 

Broschüre mit den Ergebnissen des Projekts
Beim dritten Forum Willkommenskultur am 21. April 2018 konnten wir unsere Ausstellung mit den Ergebnissen des Projektes „Migrationsvielfalt mitten unter uns“ präsentieren. Gleichzeitig konnten wir die druckfrische Broschüre zur Ausstellung vorstellen. Neben den Inhalten der Thementafeln gibt es Hintergrundinformationen zum Projekt selber sowie wissenswertes zum Bunten Tisch Gartenstadt und Siedlungen Süd. Über unsere Kontaktadresse steht die Broschüre zur Verfügung.

 

Weitere Ausstellungstermine
Zu sehen war die Ausstellung beim vierten Straßenfest gegen Rassismus und Diskriminierung am 9. Juni 2018 am Aufseßplatz und am 14. Juli 2018 auf dem Stadtteilfest Gartenstadt. Zuletzt war die Ausstellung vom 9. – 29. Oktober 2018 im Mehr­generationen­­haus AWOthek zu sehen.

Im Rahmen der Ausstellung fand am 11. Oktober 2018 eine begleitende Veranstaltung mit Diskussionsrunde zum Thema „Gekommen, um zu bleiben – Wie kann gute Integration gelingen? in der AWOthek statt.
Hier gibt es mehr Informationen zur Veranstaltung.

 

Interkultureller Preis 2018
Nicht nur aber auch wegen des Projektes hat der Bunte Tisch im ahr 2018 den Interkulturellen Preis des Nürnberger Rates für Integration und Zuwanderung erhalten. Hier ein Auszug aus der Begründung der Jury: „Hervorzuheben sind die Projekte, die die Aktiven immer wieder anstoßen: Etwa ‚Migrationsvielfalt mitten unter uns – Migranten erzählen ihre Geschichte‘.“ Mehr Informationen sind auf dieser Seite hinterlegt.