KZ-Außenlager Nürnberg Südfriedhof

Am Südfriedhof gab es im 2. Weltkrieg ein Lager für Zwangsarbeiterinnen. Mitte Oktober 1944 erreichte ein Transport mit 550 ungarischen Jüdinnen Nürnberg. Die Frauen im Alter zwischen 14 und 40 Jahren waren im KZ-Auschwitz-Birkenau von Vertretern der Firma Siemens-Schuckert-Werke ausgewählt worden, um Zwangsarbeit für das Unternehmen in Nürnberg zu verrichten. Untergebracht waren sie in einem mit Stacheldraht umzäunten Barackenlager an der heutigen Julius-Loßmann-Straße. Nach der Zerstörung des Lagers durch einen Luftangriff wurden die Frauen zur gefährlichen und anstrengenden Trümmerräumung in der Stadt gezwungen, bevor sie am 6. März 1945 auf andere KZ-Außenlager verteilt wurden.

In der Dokumentation „Das NS-Staatsverbrechen“ vom Bildungszentrum der Stadt Nürnberg, die in den 1980er Jahren erschien und 1991 ergänzt wurde, waren Auszüge aus den Interrogations (Befragungen) der KV-Anklagen (Kriegsverbrecher-Anklagen) abgedruckt, die Auskunft über den Einsatz von jüdischen KZ-Häftlingen bei SSW Nürnberg gaben. Hier wurde auch das Lager in der Katzwanger Straße (heute Julius-Loßmann-Straße) genannt.

Im April 1995 wurde die erste filmische Dokumentation über das KZ Flossenbürg vom Nürnberger Medienladen fertiggestellt. Darin kam u. a. Eva Keszler zu Wort, die zu den ungarischen Jüdinnen des Nürnberger Außenlagers gehörte. 1996 wurde dieses Interview mit Eva Keszler separat vom Medienladen herausgegeben.

In der Tagespresse und im Internet unter rijo-research.de waren seit 1999 Informationen zu den Ungarinnen aus dem KZ Auschwitz bei SSW zu finden. Das Buch „Solange ich lebe, hoffe ich“ ist im Jahre 2006 beim Verlag testimon erschienen, die Zeitschrift transit nürnberg #1 mit den Erinnerungen von Magda Watts 2007. Zwischenzeitlich gab es mehrere Lesungen aus dem Tagebuch von Ágnes Rózsa und Führungen zum Thema Zwangsarbeit 1939 – 1945, in denen auch auf das Lager und seine Insassinnen eingegangen wurde.

Im Jahr 2006 erschien Band 4 der Reihe „Der Ort des Terrors“, in dem Dr. Alexander Schmidt einen Artikel zum Nürnberger Außenlager veröffentlichte.

Nadja Bennewitz führte zusammen mit der Schauspielerin Jule Schröter seit 2008 das Schulprojekt „Because I was SS-Aufseherin“ – Täterinnen im Nationalsozialismus am Beispiel der KZ-Aufseherinnen im Außenlager Nürnberg-Süd durch. Bei einem Multimedia-Vortrag mit szenischer Lesung und anschließender Diskussion wurde mit den SchülerInnen die Rolle von Frauen als Mittäterinnen und Täterinnen an den NS-Verbrechen diskutiert. Das Projekt wurde finanziert durch den Zonta Club Nürnberg Area.
https://www.zonta-nuernberg.de/zonta-projekte/t%C3%A4terinnen-frauen-im-nationalsozialismus/
2009 erschien von ihr der Beitrag „… es scheint auch ein Besuch in Auschwitz stattgefunden zu haben“. Jüdische KZ-Häftlinge bei Siemens-Schuckert in Nürnberg, in: Geschichte Quer. Zeitschrift der bayerischen Geschichtswerkstätten, Heft 14, 2009, S. 46-50.

Die Stiftung Gedenkstätten arbeitet – so ein Zeitungsbericht aus 2015 – an einer Kartierung aller KZ-Außenlager. Der Bunte Tisch versucht hier die Stiftung mit dem Stiftungsdirektor Karl Freller bezüglich einer würdigen Form und eines angemessenen Ortes des Gedenkens zu unterstützen. Lange war die genaue Lage des Lagers nicht ganz klar. Wiederholt beschäftigte sich das Plenum des Bunten Tisch mit dieser Frage und wie bzw. wo eine Gedenktafel sinnvoll zu platzieren wäre.

Am 21. April 2017 fand am Südfriedhof eine Recherche mit einem Filmteam des Bayerischen Rundfunks und Alexander Schmidt vom Nürnberger Doku-Zentrum statt. Es ging um Spurensuche und Verortung des Lagers für Zwangsarbeiterinnen ab Ende 1944 am Südfriedhof, die für die Siemens-Schuckertwerke arbeiten mussten. Bei diesem Termin ergaben sich zufällig wie spontan Gespräche mit ZeitzeugInnen, die die vermutliche Position des Lagers bestimmen konnten. Dies war aus den wenigen Fotografien nicht eindeutig möglich.

Im Rahmen der Sendung „Kontrovers“ im 3. Programm des BR wurde nun am 19. Juli 2017 der Beitrag unter dem Thema „Vergessene Außenlager – Wenn Gras über Geschichte wächst“ gesendet, der auch auf ein Lager in Augsburg hinweist. Dieser Beitrag ist auf youtube (einfach hier klicken) abrufbar.

Nach einem Gespräch mit den Vorständen der Wohnungsgenossenschaft Sigmund Schuckert gab es die Zusage, dass auf dem Gelände der Wohnungsgenossenschaft – hier befand sich das KZ-Außenlager – eine Gedenktafel gestellt werden kann.

Fotos: Rüdiger Löster

Diese Stelen wurden im Frühjahr 2019 gestellt. Am 13. Mai 2019 fand dazu bei den Informationstafeln ein Festakt statt. Hier der Ablauf der Veranstaltung:
Chor Hawa Naschira der Israelitischen Kultusgemeinde unter der Leitung von Arkadij Pevtsov
Begrüßung – Frank Hotze
Bunter Tisch Gartenstadt und Siedlungen Süd
Grußwort – Karl Freller
Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten
Schülerinnen/Schüler der Georg-Holzbauer-Mittelschule
Rezitation: Interview Suzana Perl
Grußwort – Thorsten Brehm
Vertreter der Stadt Nürnberg
Schülerinnen/Schüler der Georg-Holzbauer-Mittelschule
Rezitation: Cecilie Klein – Gedicht „Vater“
Einführung – Alexander Schmidt
Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
Schülerinnen/Schüler der Georg-Holzbauer-Mittelschule
Rezitation: Interview Eva Keszler
Grußwort – Jo-Achim Hamburger
Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg
Chor der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg „Hawa Naschira“

In Bezug auf den Beitrag von „Kontrovers“ des Bayerischen Fernsehens von 2017 gab es am 15. Mai – also zwei Tage nach dem Festakt – ein „Nachgehakt“ des Senders, der hier abrufbar ist.

Ein QR-Code auf einer der Tafeln führt auf diese Seite und gibt einige Informationen zum Lager. Ferner gibt es einen Beitrag im Blog der Museen der Stadt Nürnberg: https://museenblog-nuernberg.de/2019/05/16/informationstafeln-kz-aussenlager/

Am 3. Juli 2019 wurde von der Stadt Nürnberg eine Mobile Bürgerversammlung zum Thema „Menschenrechte“ durchgeführt. Die letzte Station dieser Tour war an den neuen Informationstafeln zum KZ-Außenlager am Südfriedhof. Inhaltliche Informationen gab die Historikerin Nadja Bennewitz.

Das Programm der Veranstaltung

Erinnern•Mahnen•geDENKEN•Geschichte erfahren
Das war das Motto der am 21. Oktober 2019 vom Bunten Tisch im Roxy Renaissance Cinema durchgeführten Folgeveranstaltung zum Festakt vom 13. Mai 2019 zur feierlichen Übergabe der Gedenk- und Informationstafeln zum ehemaligen KZ-Außenlager der Siemens-Schuckertwerke in Nürnberg – 75 Jahre nach Einrichtung des KZ-Außenlagers am Südfriedhof. Das Programm an dem Tag solle einen stärkeren inhaltlichen Fokus auf das Lager, die Insassinnen und auch die SS-Aufseherinnen legen. Positiv überrascht waren wir vom Vorstand des Bunten Tisch Gartenstadt und Siedlungen Süd von der starken Beteiligung an dieser Veranstaltung. Der Kinosaal war übervoll und leider konnten viele Interessierte nicht mehr eingelassen werden und somit der Veranstaltung beiwohnen.

Begrüßung vom Veranstalter
Fotos: Rüdiger Löster

Beifall fand in der Begrüßung von Frank Hotze aus dem Vorstand vom Bunten Tisch folgende Passage: „Es gibt einige – leider nehmen derzeit die Stimmen wieder zu, die meinen, dass das nicht mehr nötig sei und dass es auch mal gut sein müsse. Dazu sagen wir klar nein.
Wir sagen nein, weil sich der Bunte Tisch aufgrund von Neonazivorfällen im Stadtteil bzw. dem Stadtteilfest Gartenstadt gebildet hat,
wir sagen nein, weil dieser Punkt in der Geschichte eben nicht die Hinterlassenschaft eines vorbeifliegenden Vogels war,
und spätestens nach Kassel und Halle sollte möglichst vielen klar sein, dass wir nein sagen müssen und dies auch zeigen. Hetze, Hass und Antisemitismus darf keinen Platz bei uns haben, ebenso wie Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.

Fakten von Alexander Schmidt

„Das KZ-Außenlager der Siemens-Schuckertwerke in Nürnberg – Ein lange vergessenes Lager“ bildete den Auftakt der Veranstaltung mit Fakten und Informationen von Alexander Schmidt (Dokuzentrum) zum KZ-Außenlager selber.

Rèka Lörincz liest Ágnes Rózsa

Es folgten drei sicherlich emotionale Programmpunkte mit Berichten ehemaliger Lagerinsassinnen. Da war zunächst der Film eines Interviews mit Eva Keszler. Ihre Botschaft am Ende des Interviews: „Das kann man nicht entschädigen, was da geschah. Ich wollte nur meinen Arbeitslohn verlangen.“

Beeindruckend dann die Lesung aus dem Tagebuch von Ágnes Rózsa. Réka Lörincz von der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg rezitierte aus dem Buch „Solange ich lebe, hoffe ich“ von Ágnes Rózsa. Diese Texte wurden ausgewählt von Gerhard Jochem vom Verlag testimon.

Thomas Muggenthaler’s Begegnung

Anschließend berichtete Thomas Muggenthaler – Journalist beim Bayerischen Rundfunk in Regensburg von seinen Begegnungen mit Suzana Perl, die mehrfach zu Treffen in die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg kam und dann häufig in Regensburg mit dem Bus ankam und Thomas Muggenthaler nach Flossenbürg begleitete. Er konnte mehrere Original-Töne von Frau Perl einspielen.

die szenische Lesung

Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine szenische Lesung mit Vortrag. Die Historikerin Nadja Bennewitz und die Schauspielerin Jule Schröter konzentrierten sich auf die bei Siemens selber rektutierten SS-Aufseherinnen, ihre Stellung im System, ihr Verhalten gegenüber den Gefangenen und ihre „Verteidigung“ nach dem Krieg.


Ein zweites Mal
Aufgrund des großen Interesse wird die Veranstaltung am 3. Februar 2020 ein zweites Mal angeboten. Dieses Mal ist das Forum für jüdische Geschichte und Kultur ebenfalls Veranstalter dieses Abends.

Künftige Termine im Zusammenhang mit diesem Thema
Der Bunte Tisch Gartenstadt bleibt weiter an dem Thema. Am 27. März 2020 wird die Dokumentation zum KZ-Außenlager präsentiert. Zu diesem Thema wird die Ausstellung des Stadtarchivs Nürnberg aus dem Jahr 2001 „MAGDA WATTS: Trauma und Träume. – Die Nürnberg-Erfahrung ehemaliger Zwangsarbeiter und ihre Verarbeitung.“ gezeigt. Der Bunte Tisch veröffentlicht zusätzlich Informationen zu anderen Frauen des Lagers. Zur Präsentation des Buches sprechen Jörg Skriebeleit (Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg) und Florian Dierl (Leiter Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände).

Bereits einige Tage vorher bietet der Bunte Tisch am 22. März 2020 eine Stadtführung mit Susanne Rieger von transiturs Städtereisen zum Thema „Zwangsarbeit in Nürnberg“ an